18.05.2007, 19:15 Uhr
 
"Das Ziel der Verschwisterung wurde erreicht"
45 Jahre Verschwisterung Gelnhausen-Clamecy (Frankreich) - Interview mit Karlheinz Altvater, Verschwisterungskomitee
Seit 1962 besteht zwischen der Stadt Clamecy in Frankreich, im Departements Nievre (mit seiner Hauptstadt Nevers) gelegen, und der Barbarossastadt Gelnhausen eine freundschaftliche Verbindung. Die Idee, die durch die beiden Weltkriege entstandenen Vorurteile und Schwierigkeiten zwischen den europäischen Völkern in der Form von Verschwisterungen von Städten und Gemeinden abzubauen und zu überwinden, haben die Stadtverordnetenversammlungen und der Magistrat, an seiner Spitze der damalige Bürgermeister Dr. Klotz, aufgegriffen.

Gestern Abend kam eine Delegation zum 45-jährigen Bestehen in die Barbarossastadt. Bis Sonntag verweilen sie hier. Karlheinz Altvater (69) ist seit 1970 Mitglied des Komitees und seit 28 Jahren auch Vorsitzender. Er stand dem GT Rede und Antwort, blickte zurück und nannte seine Wünsche für die weitere Zukunft. Vielleicht heißt es am Sonntagabend sogar bei dem einen oder anderen Gast aus Clamecy "Je resté la - Ich bleibe hier". Das Empfinden nach den Besuchen ist immer ein Spiegelbild der tollen Gastfreundschaft. Und die ist immer phantastisch.

GT: Wie fällt Ihr Fazit nach 45 Jahren Verschwisterung aus?

Karlheinz Altvater: Sehr positiv. Während den gesamten 45 Jahren fanden viele Austausche statt. Seit 45 Jahren mit beiden Gymnasien. 20 Jahre lang fanden auch Begegnungen mit den Realschulen statt. Aber die französischen Schülerinnen und Schüler wählen als zweite Fremdsprache Spanisch. Spanisch ist auch ein romanische Sprache wie Französisch. Die Grammatik in Deutsch ist nicht so einfach. Die Feuerwehren, Handballer, Schützen und Schwimmer waren oder sind auch im regen Austausch. Andere Organisationen haben auch zeitweilig miteinander korrespondiert. Die offiziellen Begegnungen sind alle fünf Jahre.

Auf welche Hindernisse sind Sie in den Anfängen der Verschwisterung gestoßen?

Karlheinz Altvater: Ich darf sagen, dass Oberstudienrat Gerhard Janik und Bürgermeister Dr. Klotz die ersten Kontakte knüpften. In Clamecy war das ähnlich. Ohne die wäre das nicht zustande gekommen. Das größte Hindernis war sicherlich die Sprachbarriere. Es wurde sich mit Händen und Füßen verständigt.

Ist es mit der Verschwisterung wie mit den Weinen? Je älter sie sind, desto besser werden sie?
Karlheinz Altvater: Ich will es nicht qualifizieren. Je länger so eine Verschwisterung dauert, desto mehr Menschen sind sich begegnet. Das ist schon immer unser Ziel im Komitee. Auch jetzt sind wieder viele neue Menschen zu uns nach Gelnhausen kommen. Das Ziel der Verschwisterung wurde also erreicht.

Mittlerweile ist eine neue Generation herangewachsen. Geht die anders mit dieser Verschwisterung um, als die vor 45 Jahren?

Karlheinz Altvater: Ja, unbefangener. Als wir zum zehnjährigen Bestehen in Clamecy waren, gab es zwei, drei ältere Leute, die uns auf der Straße abschätzig angeschaut haben. Ich will das aber nicht überbewerten. Das hat sich längst alles zum Positiven verändert. Es wurden auch von den Franzosen große Anstrengungen unternommen, damit diese Verschwisterung aufrecht erhalten wird. Es sind auch große finanzielle Anstrengungen von Nöten. Ja, wir haben sehr gute Freunde dort. Es sind viele, viele persönliche Freundschaften entstanden, die heute noch halten, und es gibt Familien, die sogar gemeinsam Urlaub machen.

Wissen Sie, ob aus diesen Treffen der Menschen beider Städte Ehen hervorgingen?

Karlheinz Altvater: Ja, Friedrich Lindemann aus Gelnhausen hat eine Frau aus Clamecy geheiratet. Dann gab es noch einen Gelnhäuser, der bereits in den Anfängen der Verschwisterung nach Clamecy geheiratet hat.

Was wünschen Sie sich zum 50. Bestehen in fünf Jahren?

Karlheinz Altvater: Das immer wieder neue Leute dazukommen, um den Gedanken der Verschwisterung und der Aussöhnung mit Frankreich auf diese Art und Weise weiter tragen. Ich würde auch gerne den Vorsitz abgeben. Jüngere Leute wären gut. Aber wir finden niemanden.
GT (ra).

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